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01.06.2011 - Neue Kinderkrippe eingeweiht
„Im Kinderhaus da war was los, wir bauten eine Krippe…“. Es war herrlich, den Kindern vom Katholischen Kneipp-Kinderhaus St. Stilla Abenberg bei ihrem Spiellied zuzuhören und zuzuschauen. Im Zeitraffer stellten sie Beginn und Ablauf der Baumaßnahme vom Januar 2009 an bis zur Fertigstellung nach, setzten „Werkzeuge“ und „Baumaschinen“ ein, trugen „Baustoffe“ hin und her, führten „Architektengespräche“. Am vergangenen Sonntag wurde das „Vogelnest“ – so heißt die neue Kinderkrippe - offiziell eingeweiht, verbunden mit einem „Tag der offenen Tür“. Eingeladen wurde dazu von Kinderhausleiterin Anita Hieke, Pfarrer Stefan Brand als Vertreter des Trägers der Einrichtung, und Andras Kuhn, dem Elternbeiratsvorsitzenden.

Damit hat die katholische Kirchenstiftung die deutlich veränderten Anforderungen an die Betreuung von Kindern mit der neuen Kindertagesstätte (Kita) relativ schnell umgesetzt. Ausschlaggebend waren entsprechende Förderprogramme der Bundesregierung zur Errichtung von Kinderkrippen. Die Politik wollte damit dem Wunsch vieler Eltern nach früherer Betreuung ihrer Kinder mit der damit verbundenen verbesserten Vereinbarkeit von Familie und Beruf Rechnung tragen. Kosten laut Schätzung: Zirka 238.000 Euro
Parallel dazu wurde von der Bundesregierung das Konjunkturprogramm II aufgelegt. Vorsorglich hat die Kirchenstiftung bei der Regierung von Mittelfranken auch hierfür einen Zuwendungs-Antrag eingereicht. Und, was eigentlich niemand erwartet hatte, tatsächlich genehmigt bekommen. Damit war der Weg frei für das zweite Projekt „Energetische Modernisierung des gesamten Kindergartens“, das dann gleich „drangehängt“ wurde. Die Finanzierung verlangte den Verantwortlichen größte Anstrengungen ab. Geschätzte Kosten hierfür: 192.000 Euro.

Zum Wohle der Kinder
Pfarrer Stefan Brand als Vertreter der Katholischen Kirchenstiftung, der Trägerin der Kita, begrüßte die zahlreich erschienen Ehrengäste. Bürgermeister Werner Bäuerlein zeigte sich in seinem Grußwort erfreut, durch die Mitfinanzierung etwas Gutes tun zu können. Ihm und dem Stadtrat sei es eines der wichtigsten Anliegen, die Familien zu unterstützen. Dazu gehöre seiner Meinung nach, dass die Kinder ordentlich untergebracht werden können. „Wir stehen voll hinter der Sache, wir sind weiterhin dabei, wir machen das zum Wohle der Kinder und Familien“, sagte das Stadtoberhaupt und machte den federführenden Verantwortlichen Mut für die Zukunft.
Dem gesellschaftlichen Wandel Rechnung getragen
Landrat Herbert Eckstein blickte auf den gesellschaftlichen Wandel, der sich in den vergangenen Jahrzehnten vollzogen habe. Früher hätten sich die Kinder in Großfamilien selber miterzogen. Heute könnten sich diese nicht mehr erziehen. Kritisch merkte er an, dass es zu lange gedauert habe, den gesellschaftlichen Bedürfnissen zu entsprechen, lobte aber auch, dass der Wandel nun vollzogen sei. Kinder sollten voneinander lernen. Und das gelinge halt am Besten in Gemeinschaft.

Kirchenpfleger: Gemischte Gruppe gab es in Abenberg schon vor Politikwende
„Besucht uns mal im Vogelnest…“ sangen die Kindergartenkinder und leiteten über zur „Festrede“ von Kirchenpfleger Karlheinz Feierlein. Mit der Einweihung gehe ein mehrjähriger Weg zu Ende, den er von Anfang an intensiv begleiten durfte. Recht anschaulich schilderte er die gesellschaftlichen Veränderungen. Zurückgehende Kinderzahlen hätten die Existenz von Gruppen, ja ganzer Kindergärten gefährdet. Heute stehe der immer größere Wunsch nach Betreuung auch kleinerer Kinder im Vordergrund. Dem Wunsch vieler Eltern habe die Politik durch entsprechende Förderprogramme zur Errichtung von Kinderkrippen entsprochen.
Die Trägerin der Kita habe Kinder unter drei Jahren bereits in sogenannten „gemischten Gruppen“ aufgenommen, noch bevor das Wort „Krippe“ in aller Munde war. Aber die Entwicklung habe naturgemäß zu intensiveren Überlegungen auch innerhalb der beiden Kindergärten St. Stilla und St. Jakobus geführt. Anfang 2009 konnten Konzept und Vorstellungen für die Neuausrichtung den beiden Kindergärten an die Stadt Abenberg, das Landratsamt Roth und an das Bistum Eichstätt herangetragen werden.
Alle beteiligten Stellen hätten die Notwendigkeit für eine Krippe in Abenberg gesehen. Die durchweg positive Resonanz habe innerhalb der Kirchenverwaltung zu dem Entschluss geführt, das Projekt „Kinderkrippe“ in Angriff zu nehmen und die Planungen für die heutige Lösung fortzuführen.

Energetische Modernisierung gleich mit erledigt
Als „auch noch vom Glück überrascht“ bezeichnete Feierlein das von der Bundesregierung in genau der Zeit der gemeinsamen Krippengespräche aufgelegte Konjunkturpaket II. Sowohl das Bistum, wie auch das Landratsamt hätten eine Bewerbung zur Anerkennung von Mitteln aus diesem Paket angeregt. Gesagt, getan. Tatsächlich sei von der Regierung von Mittelfranken der eingereichte Zuwendungsantrag positiv verbeschieden worden. „So wurde zum Projekt „Krippe“ ein 2. Projekt „Energetische Modernisierung des gesamten Kindergartens“ mit ganz anderen Vorzeichen auf den Weg gebracht und beides miteinander parallel durchgezogen“, fuhr der Kirchenpfleger fort.
Den Auftrag habe das hiesige Architekturbüro Geißel erhalten. Nach üblicher Planungsphase, Klärung der Finanzierung und dem Vorliegen der Genehmigungen beantragter Zuschüsse habe im Frühjahr 2010 mit den Bauarbeiten der beiden Maßnahmen begonnen werden können. Die vorläufig genehmigte Krippengruppe sei ab September 2009 für ein halbes Jahr im „Ausweichquartier Jugendheim“ untergebracht gewesen. Nach den Ferien 2010 mussten auch die beiden anderen Gruppen für ein paar Wochen ins Jugendheim umziehen.
Dann schilderte Feierlein im Detail, wie die beiden Maßnahmen finanziert wurden. Von den zuwendungsfähigen Kosten für die Krippe übernehme der Staat zirka 75 Prozent aus Mitteln des Investitionsprogramms „Kinderbetreuungsfinanzierung 2008-2013“, für die Ausstattung werde ein Festbetrag von 15.000 Euro gewährt. Die restlichen 25% würden sich Kommune (Stadt) und Träger (Kirchenstiftung) teilen. Vom Anteil der Kirchenstiftung übernehme das Bistum zwei Drittel. Theoretisch würde damit für die Kirchenstiftung ein Betrag in Höhe von zirka 15.000 Euro verbleiben.
Das zweite Projekt erhalte Mittel zur „Förderung von Maßnahmen zur energetischen Modernisierung der Infrastruktur in Kommunen“. Die Regierung von Mittelfranken habe hierfür einen Festbetragszuschuss in Höhe von 159.000 Euro (ca. 85%) genehmigt. Den Rest habe der Träger (Kirchenstiftung) zu tragen, wobei sich auch hier das Bistum mit 70% beteilige. Restbetragsfinanzierung: zirka 10.000 Euro.
Theoretisch, merkte Feierlein auch hier an. Denn die nicht geplanten Zusatzmaßnahmen, weit höhere Ausstattungskosten als der zugesagte Festbetrag, Aufwendungen für Außenanlagen und Verbesserung der Sicherheit hätten weitere Kosten verursacht, für die es keine Zuschüsse gäbe. Derzeit ausgegebene Gesamtkosten: 450.000 Euro. Vereinnahmte Zuschüsse: 320.000 Euro. Der Rest könne erst nach Vorlage des Verwendungsnachweises erwartet werden. Bis dahin müsse die Kirchenstiftung durch Rücklagenentnahme und Zwischenfinanzierung in Vorleistung gehen.
Projekt kann sich sehen lassen
Feierlein zeigte sich überzeugt, dass mit der nun fertig gestellten Krippe ein Projekt gelungen sei, das sich sehen lassen könne „und das vor allem die Bedürfnisse unserer Kleinsten und ihrer Betreuer im vollen Umfang erfüllt.“. Am Ende dankte er allen namentlich, die in irgendeiner Weise am Gelingen der beiden Projekte mitgewirkt haben.
Eine Wohlfühloase für die Kleinsten
„Heute ist ein großer Tag, den wir gemeinsam feiern“, zitierte Architektin Sekunda Geißel einen Liedtext zu Beginn ihrer Ansprache und ergänzte, dass „wir“ dazu „heute wirklich allen Grund“ haben.
Beide Einrichtungen, Kinderkrippe „Vogelnest“ und Kindergarten, hätten ihre Probe ja schon bestanden. Bereits am 8.11.2010 seien die Vogelnest-Kinder in die Krippenräume eingezogen und hätten sich vom ersten Tag an heimisch gefühlt.
Kaum wiederzuerkennen sei die frühere Vogelgruppe. Geißel ließ die vorgenommenen großen baulichen Veränderungen, mit denen für die Kleinsten eine Wohlfühloase geschaffen wurde, noch einmal Revue passieren: Neu angebauter Schlafraum mit Ausgang ins Freie, Durchbruch der Wände zur ehemaligen Garderobe. Dadurch sei ein großzügiger Bewegungsraum entstanden, der in Verbindung mit dem Gruppenraum stehe und einen eigenen Ausgang ins Freie habe. Ein Fensterdurchbruch schaffe mehr Lichteinfall, für die Kinder außerdem eine Blickbeziehung nach draußen. Mit der Einbeziehung des Außengeräteraumes hätten die Krippenkinder einen extra Essplatz erhalten.

Ein weiterer Umbaubereich sei die Neugestaltung der WC-Anlage mit hellen, freundlich-farbigen Fliesen und Einrichtungsgegenständen gewesen. Neben dem Einbau von Schallschutzdecken sei die gesamte Elektrik mit Beleuchtung neu verlegt und nach zähem Ringen mit den Zuwendungsgebern auch eine Fußbodenheizung genehmigt und eingebaut worden. In enger Zusammenarbeit mit der gesamten Kindergartenleitung, insbesondere aber mit Leiterin Anita Hieke, sei das Farbkonzept erarbeitet und umgesetzt worden.
Viel Einsparung an Energiekosten
Ähnlich breiten Raum maß die Architektin den wärmetechnischen Verbesserungen des Kindergartens zu, mit denen nun viele Energiekosten eingespart werden könnten. Dazu zählen der Einbau neuer Fenster und Fensterelemente, die Neugestaltung des Eingangsbereichs mit Vorsetzung eines Windfangs als Wärmepuffer gegenüber den Flurbereichen, der im Winter gerne als warmer Kinderwagen-Abstellplatz angenommen werde. In diesem Zuge musste auch das gesamte Brandschutzkonzept neu erarbeitet werden, der Einbau verschiedener Brandschutz- und Fluchttüren erfolgte nach dem neuesten Stand der Technik.
Durch die Wärmedämmmaßnahmen an den Wänden erfuhr der Außenbereich größere Eingriffe. Durch den vorzeitigen Wintereinbruch und die lang anhaltenden frostigen Temperaturen kam es zu Bauverzögerungen. Dennoch habe sich, so Geißel, die Neugestaltung gelohnt, auch Dank des großartigen Arbeitseinsatzes des Elternbeirats und weiterer Helfer.
Viele kleine Schlüssel zum Öffnen der Herzen
Am Ende bedankte sich Geißel bei allen, die zum Gelingen dieses großen Projektes mit beigetragen haben. Anstelle eines symbolischen Schlüssels zur Eröffnung des Kindergartens an den Hausherrn, Pfarrer Stefan Brand, überreichte die Architektin zusammen mit Tochter und Mitarbeiterin Barbara Geißel viele kleine Schlüssel, gebacken aus Brezenteig. So unterschiedlich wie die Charaktere und Veranlagungen der Kinder seien, brauche es „viele unterschiedliche Ansatzpunkte, um die Herzen der Kinder zu erreichen und zu öffnen“.
Nach dem eingangs erwähnten Spiellied, vorgetragen von den Kindergarten-Kindern, ergriff Kinderhaus-Leiterin Anita Hieke das Wort. Mehr als nur eine Betreuungsstätte für Kinder solle das Kinderhaus sein. Kindertageseinrichtungen hätten heute auch einen Erziehungs- und Bildungsauftrag, dem sie mit dem gesamten Team aufgrund des vielfältigen Angebotes gerecht werden wolle. „Kinder fördern – Eltern stärken – Gemeinsam handeln“ laute das Motto, unter dem sie sich als fachkundige und liebevolle Begleiter der ihnen anvertrauten Kinder verstehen.

Sanitärraum für Wasserspiele und Kneippanwendungen
Hieke war sichtlich erfreut über die neu eingerichteten Krippenräume, deren Raumkonzept der neuesten frühkindlichen Pädagogik angepasst wurde, sowie über die energetische Sanierung. Es sind freundliche, helle Räume für die Krippe entstanden mit genügend Platz zum Bewegen und Spielen, aber auch mit Rückzugsmöglichkeiten. Besonders hervorzuheben sei, so Hieke, der Sanitärraum mit Möglichkeiten für Wasserspiele und Kneippanwendungen, sowie mit einem Kreativ-Bereich zum großflächigen Malen.
Der Kinderhaus-Leiterin war es ein Bedürfnis, sich ebenfalls namentlich bei allen zu bedanken, die für die Baumaßnahmen geplant, gegrübelt, gearbeitet und ausgestattet haben. Aber auch bei all jenen, die in vielen freiwilligen und kostenlosen Stunden zum Gelingen des Werkes beigetragen haben. Dem Elternbeirat, insbesondere für die Erstellung des Buches „Feste feiern im Kinderhaus“, und vielen weiteren Eltern, dem Hausmeisterehepaar, der Raumpflegerin und dem gesamten Personal der Einrichtung. Danke den Sponsoren und dem Kindergartenbeauftragten.
Katholische Kirche schuf herrliche Einrichtung
Herzlichste Segenswünsche von Caritasdirektor Monsignore Domkapitular Rainer Brummer, ein Abenberger, überbrachte Andrea Peyerl, Fachberaterin vom Kindergartenreferat des Caritasverbandes Eichstätt. Der gesellschaftliche Wandel, der von Familien immer mehr Flexibilität und auch Erwerbstätigkeit fordert, fordere auch geeignete Betreuungsformen und Angebote für Eltern und Kinder. So habe die Katholische Kirche zusammen mit der Stadt eine herrliche Einrichtung geschaffen, die mit altersgerechten und ansprechenden Materialien ausgestattet sei, die den Kindern viele pädagogische und lebenspraktische Anregungen mit viel Platz und Freiräumen biete, das Leben gefahrlos zu erkunden. Dies entspreche dem Wunsch vieler Eltern nach einer verlässlichen Betreuung.
Weil das Personal beim Krippenzirkel des Caritasverbandes teilgenommen habe, seien alle pädagogisch, konzeptionell und baulich auf die Kinder vorbereitet, ihnen ein Leben in Fülle und Geborgenheit zu ermöglichen.
Ein besonderer Dank ging an Pfarrer Stefan Brand und der gesamten Kirchenverwaltung, weil alle pädagogischen Anregungen und Empfehlungen in der Bauphase berücksichtigt worden seien.
Zur Erfüllung der Ansprüche müssen genügend Ressourcen zur Verfügung gestellt werden
„Wir Erzieherinnen haben alte Positionen überwunden“, gab sich Ruth Watzl, die Leiterin des Evangelisch-Lutherischen Kindergartens Wassermungenau, in einem Grußwort überzeugt. „Die neuesten, neuropsychologischen Forschungsergebnisse und die aktuellen Erkenntnisse der Entwicklungspsychologie haben uns auf neue Wege geführt“. Die frühen Bildungsprozesse der kleinen Kinder seien sehr eng mit der Qualität der Bindungs- und Erziehungserfahrung verbunden. Die den Erzieherinnen anvertrauten Kinder würden vor allem Zeit, Geborgenheit, Liebe und einen Freiraum für ihre Entwicklung brauchen, weshalb sie dem Kinderhaus-Team, aber auch ihrem Team selbst, eine Stadt, einen Träger und Eltern wünschte, die genügend Ressourcen zu Verfügung stellen, um diesen Anspruch erfüllen zu können und übergab als Geschenk einen „kleinen Schatz“ mit Anregungen für die für die tägliche Arbeit.
Dankesworte von Pfarrer Stefan Brand standen am Ende der langen Rednerliste. Ein kleines Geschenk für ihr außergewöhnliches Engagement erhielten Kinderhaus-Leiterin Anita Hieke, Krippenleiterin Fr. Helm, Reinigungskraft Fr. Fiegl, das Hausmeister-Ehepaar Denzel, Kirchenpfleger Karlheinz Feierlein, Kindergartenbeauftragter Werner Nißlein und Elternbeiratsvorsitzender Andreas Kuhn.
Segnung der Räume
Danach erfolgte die Segnung der Kinderkrippe durch den Träger der Einrichtung, Pfarrer Brand sprach das Segensgebet und segnete die neue Stillakerze für die Eingangshalle. Nach einem gemeinsamen Dankeslied von Kindern und Betreuerinnen durchschnitt Kirchenpfleger Karlheinz Feierlein das Band zum Krippeneingang und gab so die Krippenräume frei, zunächst für Pfarrer und Krippenteam, danach für die Öffentlichkeit.

Text und Bilder von Karlheinz Hiltl.
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